Karin Schäfer im Gespräch: das Festival PannOpticum in der BVZ

BVZ vom 6.8.2026

Birgit Böhm-Ritter von der Wochenzeitung BVZ hat Karin in ihrer Werkstatt am Friedrichshof besucht und dieses ausführliche und sehr schöne Interview über das Festival PannOpticum mit ihr gemacht.

Der Originalartikel ist in der gedruckten Ausgabe vom 6.8.2026 erschienen

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KARIN SCHÄFER IM GESPRÄCH mit BIRGIT BÖHM-RITTER

Zwischen Puppenköpfen, Marionetten und Collagen blickt Karin Schäfer auf mehr als zwei Jahrzehnte PannOpticum zurück. Mit der diesjährigen Festivalausgabe übergibt die Gründerin die künstlerische Leitung an ihre Nichte Almut Schäfer-Kubelka.

Der Generationenwechsel markiert keinen Bruch, sondern den Beginn eines neuen Kapitels für das Internationale Figurentheaterfestival in Neusiedl am See, das heuer von 4. bis 6. September stattfindet.

Der Blick schweift über Figuren mit ausdrucksstarken Gesichtern, skurrile Objekte und großformatige Collagen. Auf einem Sessel sitzt eine Puppe mit faltigem Gesicht aus dem Programm „Crazy Old Me", an den Wänden hängen großformatige Werke ihrer jüngsten künstlerischen Arbeit. Rund hundert Figuren sind in diesem Atelier am Friedrichshof bei Zurndorf im Laufe der Jahrzehnte entstanden – Figuren, denen Karin Schäfer auf der Bühne Leben eingehaucht hat. Zwischen ihnen spricht die Puppenspielerin über einen Moment, der sie positiv bewegt: Zum ersten Mal seit der Gründung des PannOpticum gestaltet nicht mehr sie das Festivalprogramm, sondern ihre Nichte.

Nach 23 Jahren übergibt Karin Schäfer die künstlerische Leitung an Almut Schäfer-Kubelka. Die 1993 in Wien geborene Puppenspielerin studierte zunächst Geschichte und Philosophie, bevor sie 2020 an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch nach Berlin wechselte. Dort schloss sie 2025 ihr Diplom in der Abteilung „Zeitgenössische Puppenspielkunst" ab. Bereits seit 2022 gehört sie dem Board des Festivals an, heuer übernimmt sie gemeinsam mit einem jungen Team erstmals die Kuratierung.

Ein Festival soll weiterleben

Die Entscheidung, Verantwortung abzugeben, fiel bei Karin Schäfer nicht plötzlich. Vielmehr reifte sie über Jahre. „Uns war klar, dass wir rechtzeitig schauen müssen: Wenn wir wollen, dass dieses Festival länger existiert, sollten wir das irgendwann einmal jemandem übergeben." Dass ausgerechnet ihre Nichte diese Aufgabe übernehmen würde, entwickelte sich fast selbstverständlich. Als Kind verbrachte Almut Schäfer-Kubelka viel Zeit in der Werkstatt ihrer Tante. Sie half beim Bau einfacher Figuren, wirkte später bei Produktionen mit und fand schließlich selbst ihren Weg zum Figurentheater.

„Ich war nie beunruhigt", sagt Karin Schäfer, auch als Almut zuerst andere Fächer studiert hat. „Ich habe mir gedacht: ‚Nein, die Frau macht Figurentheater, ganz sicher.'" Als ihre Nichte nach dem Studium den Wunsch äußerte, das Festival eines Tages weiterzuführen, sei sie tief bewegt gewesen. „Das hat mich total gefreut. Da war ich richtig emotioniert. Was gibt es Schöneres, als so ein Ding zu vererben, wenn das dann weiterlebt."

Ganz zurückziehen werden sich Karin Schäfer und Mitgründer Peter Hauptmann allerdings nicht. Als „Safety-Netz", wie sie es nennen, begleiten beide den Übergang im Hintergrund und stehen dem neuen Team mit ihrer Erfahrung zur Seite.

Dabei sieht Karin Schäfer ihre Aufgabe nicht darin, ihre eigene Handschrift zu konservieren. „Almut kann das Festival so entwickeln, wie es ihr gefällt. Und ich weiß, dass es mir gefallen wird."

Dieses Vertrauen gründet nicht nur auf der familiären Beziehung, sondern vor allem auf der gemeinsamen Leidenschaft für das Genre. Karin Schäfer ist bewusst, dass ihre Nachfolgerin neue Impulse einbringen wird. Durch das Studium in Berlin und zahlreiche internationale Kooperationen kennt sie viele junge Künstlerinnen und Künstler, die bislang nicht zum Netzwerk des Festivals gehörten.

Gerade diese Öffnung sei eine große Chance. Die internationale Ausrichtung gehört seit der ersten Ausgabe zu den Grundpfeilern des Festivals. Auch heuer reisen Künstlerinnen und Künstler aus elf Nationen nach Neusiedl am See. „Wir wollten immer, dass die Welt nach Neusiedl kommt."

Mehr als Puppenspiel

Wer beim Begriff Figurentheater an Kasperl und Handpuppen denkt, wird beim Blick ins Programm rasch eines Besseren belehrt. Das PannOpticum zeigt Performances, Objekttheater, Musiktheater, Filme, Walking Acts und Produktionen, die Tanz, bildende Kunst oder zeitgenössischen Zirkus miteinander verbinden.

Für Karin Schäfer lässt sich Figurentheater ohnehin nicht klar eingrenzen. „Eine Brille kann eine Figur sein, wenn ich sie belebe. Eine Violine oder ein Kontrabass kann ebenso eine Figur sein." Gerade dieses Überschreiten von Grenzen mache den Reiz des Genres aus. Wo Figurentheater beginnt und wo es endet, ist nicht klar zu definieren. Die Grenzen verschwimmen. „Was Figurentheater aber so schön macht, so unberechenbar", sagt Schäfer.

Deshalb sucht das Festival seit jeher nicht nach einem bestimmten Stil. Entscheidend sei vielmehr, dass eine Produktion etwas Besonderes mitbringe. „Das kann die Technik sein, das kann der Inhalt sein." Neben humorvollen Inszenierungen finden deshalb auch gesellschaftspolitische Themen ihren Platz.

Krieg, Kolonialisierung, Religion, das Altern oder die Suche nach Glück werden im diesjährigen Programm ebenso behandelt wie leichtere Stoffe.

Figuren könnten solche Themen auf besondere Weise zugänglich machen, ist Karin Schäfer überzeugt. „Das auf eine spielerische oder poetische Art und Weise darzustellen, ist eine schöne Art, über diese Themen nachzudenken und zu reflektieren." Mit der neuen Festivalleitung verändern sich nicht nur Inhalte, sondern auch die Spielorte. Erstmals wird neben den Räumlichkeiten im Weinwerk der Saal des Campus der Waldorf Schule bespielt. Hinzu kommen Aufführungen am Hauptplatz, Walking Acts und weitere Formate im öffentlichen Raum.

Für Karin Schäfer eröffnen größere Bühnen völlig neue Möglichkeiten. Während manche Produktionen bislang aus Platzgründen gar nicht eingeladen werden konnten, lassen sich künftig vielleicht auch aufwendigere Inszenierungen realisieren.

Mit Interesse verfolgt sie außerdem die Pläne ihrer Nachfolgerin, das Festival stärker in den öffentlichen Raum zu tragen und kleine Begegnungsorte zu schaffen, an denen Besucherinnen und Besucher auch zufällig auf Figurentheater stoßen können.

Langfristig könnte sich das Festival noch weiter entwickeln. Sollte das geplante Kulturzentrum im ehemaligen Seerestaurant des Strandbads Neusiedl am See Realität werden, eröffne das zusätzliche Perspektiven.

Ein Image im Wandel

Lange Zeit galt Figurentheater vor allem als Kinderprogramm. Dieses Image verändert sich allerdings stetig, dabei hat auch das PannOpticum Festival seinen Anteil.

„Ich habe das Gefühl, dass immer mehr Erwachsene dieses Genre für sich wahrnehmen und entdecken."

Ganz ohne Kasperl kommt allerdings auch das PannOpticum nicht aus. Das Theater Tröbinger aus Oberösterreich bringt mit seinem „Cine Traktori" das Stück „Kasperl geht fischen" auf den Hauptplatz.

Gleichzeitig richtet sich ein Großteil des Programms ausdrücklich an Erwachsene.

Was die Faszination des Figurentheaters ausmacht, beschreibt Karin Schäfer mit wenigen Worten: „Ich glaube, dass Figurentheater eine hypnotische Wirkung hat." Gerade in Zeiten, in denen oft nicht klar ist, was echt sei, in denen künstlich erzeugte Bilder und Inhalte kaum noch nachvollziehbar seien, liege eine besondere Faszination darin, zu beobachten, wie eine Figur unmittelbar vor den Augen des Publikums zum Leben erwacht.

Die Zukunft beginnt jetzt

Sorgen um das Festival macht sich Karin Schäfer keine. Die größte Herausforderung für ihre Nachfolgerin sieht sie darin: „Die Kunst wird sein, sich auch wieder jüngeres Publikum aufzubauen – ohne die Älteren zu verlieren."

Vielen Dank an Birgit Böhm-Ritter für das nette Gespräch und den tollen Artikel!

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